Grafologie

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Zur Wissenschaftlichkeit der Grafologie

Wissenschaft

Wissenschaftliches Arbeiten beschreibt ein methodisch-systematisches Vorgehen, bei dem die Ergebnisse der Arbeit für jeden objektiv nachvollziehbar oder wiederholbar sind. Das bedeutet, Quellen werden offengelegt (zitiert) und Experimente so beschrieben, dass sie reproduziert werden können.

Die Behauptung, Grafologie sei nicht wissenschaftlich fundiert, ist immer wieder zu hören und zu lesen.
Der Ursprung dieser Meinung ist in den USA zu suchen. Dort bieten zahlreiche "Grafologen" ihre Dienste an. Für gutes Geld werden dann Schnellanalysen aufgrund von Fotokopien oder gar von Fax-Dokumenten erstellt. Natürlich ist das unwissenschaftlich und es ist auch absolut unlauter.
In Europa präsentiert sich die Situation aber völlig anders, geben doch alle grafologischen Organisationen klare Regeln heraus, wie sich Grafologinnen und Grafologen zu verhalten haben.

Von den Kritikern nimmt sich kaum jemand die Mühe, sich mit der Grafologie auseinanderzusetzen; das Zitieren von US-amerikanischen Quellen ist einfacher.
Es stellt sich die Frage, wie fundiert eine immer wieder zitierte Untersuchung ist, die von zwei Personen durchgeführt worden ist und die "wissenschaftliche Ergebnisse" aufgrund von vier grafologischen Analysen publiziert!

Für alle, die sich selber ein Bild machen wollen, werden auf dieser Seite in loser Folge Überlegungen zum Thema Wissenschaft und Grafologie publiziert.
Wer es genauer wissen möchte: unter Forschungsbeiträge sind diverse Untersuchungen einzusehen.

Graphologie auf solider wissenschaftlicher Grundlage schafft Mehrwert

Alexander Unseld

Alexander Unseld ist Fachpsychologe SBAP und führt eine wirtschaftspsychologische Unternehmensberatung. Bei seiner Tätigkeit setzt er unter anderem auch schriftpsychologische Analysen ein.
In diesem Artikel nimmt er Stellung aufgrund seiner eigenen Praxisforschungsprojekte und mit Bezug auf die exzellenten Kundenrückmeldungen. Seine Feststellungen im Überblick:

  • Handschriftanalysen bringen relevanten Mehrwert für Selektionsverfahren
  • Einwände von Professoren mit eigenen Testfirmen sind widerlegt
  • Training in Schriftpsychologie mehrt die Kompetenz und schafft Vorsprung
  • Weiterentwicklung der Methode durch Forschungsinitiativen
  • Möglichkeit zur Profilierung

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Oft zitierte Metastudie zur Unwissenschaftlichkeit der Grafologie ist nicht fundiert

Die Publikation von Gershon Ben-Shakhar et al.(1) ist eine der meistzitierten, wenn es darum geht zu zeigen, wie unwissenschaftlich die Graphologie doch sei.
Dass eben diese Rezeption selbst sehr unkritisch ist, belegt Baruch Nevo(2) in einer Entgegnung von 1988. Er zeigt gravierende Mängel auf in der Anlage der beiden Untersuchungen, interpretiert die Daten neu und kommt zum Schluss, dass die referierten Resultate sogar eher die graphologische Methode unterstützen als widerlegen. Die Interpretation von Ben-Shakar et. al. sei tendenziös:

  • 1. Studie: Als Basis zur Einstufung bezüglich verschiedener Kriterien diente ein autobiographischer Text. Eine Gruppe von drei Graphologen erreichte bezüglich einer bestimmten Einstufungsskala dieselbe Signifikanz von p=0.5 wie der als "Kontrollgruppe" eingesetzte Psychologe.
    A priori wurde unterlegt, dass die Graphologen nicht auf formalem, sondern auf inhaltlichem Weg zu ihren Ergebnissen gekommen seien, die Graphologie sei also nichts wert.
  • 2. Studie: Von 20 Graphologen sagten fünf (!) zu, in einem Versuch mitzumachen, wo es darum ging, 40 Schriften nach Berufsgruppe einzuteilen.
    Jeder seriöse Graphologe weiss, dass man das nicht kann. Die Resultate waren unklar, Nevo rechnete sie neu und kam zum Schluss, dass es doch eine über-zufällige Übereinstimmung von p=0.5 gibt.
  • Die Empfehlung von Baruch Nevo: Psychologen aufgepasst - da ist irgendetwas dran an der Grafologie, das interessant sein könnte für euch.

(1) Ben-Shakar, G., Bar-Hillel, M., Bilu, Y., Ben-Abba, E & Flug, a. (1986a). Can Graphology Predict Occupational Success? Two Empirical Studies and Some Methodological ruminations. Journal of Applied Psychology, 71, 4, 645-653. (2) Nevo, Baruch (1988). Yes, Graphology Can Predict Occupational Sucess: Rejoinder to Ben-Shakar et. al. Perceputal and Motor Skills, 66, 92-94.

Validation of graphology through use of a matching method based on ranking.

Graphologie: Wissenschaft oder Hellseherei?

Christian Katz

Der Arbeitspsychologe Christian Katz plädiert für wissenschaftlich geprüfte Methoden. Graphologie ist zwar mit statistischen Methoden schlecht überprüfbar, wie sämtliche anderen Methoden zur Untersuchung der Persönlichkeit.
Den Vergleich mit dem ungleich kostspieligeren Assessment-Center braucht die Schriftpsychologie nicht zu scheuen hält der Autor fest und er fügt im Gegenzug einzigartige Vorteile der Methode an.

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HRToday, Juni 2013

Gedanken zur Wissenschaftlichkeit der Schriftpsychologie

Rudolf Knüsel

Der erfahrene Diagnostiker Rudolf Knüsel kennt Vor- und Nachteile von Tests und Grafologie aus seiner täglichen Arbeit. Hier erläutert er, weshalb die von vielen geforderte Wissenschaftlichkeit oberflächlich und ganz einfach naiv ist.

Er weist darauf hin, dass Thomas Sedlacek in seinem 2012 in deutscher Übersetzung erschienenen Buch "Die Ökonomie von Gut und Böse" die sogenannte Wissenschaftlichkeit in die Nähe eines Mythos rückt. Er zitiert den Philosophen Michel Polanyi, der selbst die Wissenschaft als ein "System von Glaubensanschauungen, denen wir anhängen" bezeichnet." Seine persönliche Erfahrung dazu: Es gibt ja auch eine Reihe von Fragebogentests, die ein Persönlichkeitsprofil abbilden. Das kann bei kundiger Anwendung hilfreich sein. Der Eindruck von Evidenz und Übersichtlichkeit der Resultate ist jedoch nicht selten eine Vereinfachung, die einem bloss ausschnittartigen und unter Umständen irreführenden Bild entspricht. (...) Es wird suggeriert, dass die jeweilige Testmethode nach einer kurzen Einführung angewandt und interpretiert werden kann, das sie ja, wie es heisst, wissenschaftlich fundiert ist. "Wissenschaftlichkeit" dient als Verkaufsargument, während die psychologische Kompetenz bei der Anwendung und Interpretation eine höchst untergeordnete Rolle spielt.

Mit dem Verfasser wurde auch ein Interview geführt, welches auf dieser Plattform publiziert ist.

Der letzte Artikel aus einer dreiteiligen Serie der "Zeit" ist im Archiv der Zeitung nachzulesen.
Der zitierte Graphologe Rudolph Pophal wird in der Galerie auf dieser Plattform präsentiert.